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Plusquamperfekt (Zeitform der Vorvergangenheit)

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Plusquamperfekt (Zeitform der Vorvergangenheit)

Wie jetzt, es gibt noch eine dritte Vergangenheitsform in der deutschen Sprache? Ganz genau, nämlich das Plusquamperfekt! Mit ihm kannst Du über Ereignisse aus der Vergangenheit sprechen, die noch vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert sind. In diesem Beitrag zeigen wir Dir ganz in Ruhe, wie Du die sogenannte Vorvergangenheitsform bildest. Vielleicht bekommen wir dabei sogar ein wenig magische Unterstützung. Falls die jedoch nicht ausreicht, sind wir aber auch jederzeit in der Deutsch Nachhilfe für Dich da. Zauberstäbe raus, wir bringen jetzt Licht ins Dunkel!

Definition: Was ist das Plusquamperfekt?

Das Plusquamperfekt, auch vollendete Vergangenheit genannt, ist die dritte Vergangenheitsform des Deutschen. Dabei geht es noch einen Schritt weiter als das Perfekt, da Du mit seiner Hilfe ausdrücken kannst, dass ein Ereignis noch vor einem anderen vergangenen Ereignis stattgefunden hat. Schauen wir uns das mal etwas genauer an!

Bevor er seinen Hogwarts-Brief erhielt, hatte Harry sein Leben lang bei den Dursleys gelebt.
Hagrid war mit ihm zuerst zu Gringotts gegangen, bevor sie seine Schulsachen besorgten.

Dann verwendest Du das Plusquamperfekt

Du nutzt das Plusquamperfekt also dann, wenn Du über mehrere Ereignisse in der Vergangenheit sprechen möchtest. Dasjenige, das noch weiter zurückliegt, formulierst Du dabei immer im Plusquamperfekt. In der Regel kommt es also nicht allein, sondern hängt mit einem anderen vergangenen Geschehen zusammen. Daran kannst Du es auch erkennen, wie etwa hier:

Im Zug hatten Ron und Harry sich bereits kennengelernt, bevor Hermine ihr Abteil betrat.
In der großen Halle waren alle Erstklässler:innen furchtbar nervös gewesen, bevor sie den sprechenden Hut aufsetzten.

Plusquamperfekt: Verwendung
Abb. 1: Die dritte Vergangenheit

Wie bilde ich die Vorvergangenheit?

Das funktioniert im Grunde ganz ähnlich wie bei der Perfekt-Bildung, mit nur einem kleinen Unterschied: Beim Plusquamperfekt nutzt Du das Präteritum eines Hilfsverbs („sein“ oder „haben“) und das Partizip II Deines Vollverbs. Deswegen wird diese Zeitform auch als Präteritumperfekt bezeichnet. Beispiel gefällig?

Vollendete Vergangenheit: Plusquamperfekt Bildung
Abb. 2: Die Bildung der vollendeten Vergangenheit

Nachdem Harry unerlaubterweise mit seinem Besen geflogen war, brachte Professor McGonagall ihn zu Oliver Wood.
Als Harry im Wald von der vermummten Gestalt überrascht wurde, hatte sich Malfoy bereits aus dem Staub gemacht.

Erinnerungshilfe:

Das Partizip II Deines Verbs bildest Du, indem Du in den meisten Fällen die Silbe „ge“ voranstellst oder einschiebst und (bei schwachen Verben) ein „-t“ oder (bei starken Verben) ein „-en“ anhängst.

Mit „sein“

Nun fragst Du Dich womöglich, wann Du das Plusquamperfekt mit der gebeugten Vergangenheitsform von „sein“ und wann mit der von „haben“ bildest. Ganz einfach: „sein“ nutzt Du immer dann, wenn das Geschehene einen Zustand, eine Zustandsveränderung oder eine Bewegung beschreibt. Hier gibt es zwar hin und wieder auch Abweichungen (vgl. Filonowa, 2015), aber grundsätzlich kannst Du Dir diese Regel so einprägen. Wie beispielsweise hier:

Hermine war weinend in die Mädchentoilette gerannt, nachdem Ron schlecht über sie gesprochen hat.
Harry und Ron waren Weihnachten gemeinsam in Hogwarts geblieben, nachdem sie sich angefreundet haben.

Mit „haben“

Die erste Vergangenheitsform von „haben“ nutzt Du dementsprechend dann, wenn Dein Vollverb keinen Zustand oder eine Bewegung darstellt. Dieses setzt Du hierbei natürlich ins Partizip II, denn nur so kommt die vollendete Vergangenheit zustande. Also so zum Beispiel:

Malfoy hatte Neville geärgert, bevor Ron sich mit ihm prügelte.
Als Harry auf Quirrell traf, hatte Hermine zuvor ein schwieriges Rätsel gelöst.

Besonderheiten vom Partizip II

Du benötigst also, um die Vorvergangenheit zu bilden, „sein“ oder „haben“ im Präteritum und das Partizip II Deines Vollverbs. Wie Du letzteres bildest, weißt Du bereits, aber vielleicht ist Dir schon aufgefallen, dass es dabei hin und wieder auch Ausnahmen gibt.

Zum einen gibt es Verben, bei denen die vorangestellte oder eingeschobene Silbe „ge“ wegfällt. Das ist bei allen Tuwörtern der Fall, die mit ent-be-ver-er-zer-hinter- oder miss- beginnen:

Die drei hatten sich nach dem Trollangriff beieinander entschuldigt, dann wurden sie Freund:innen.
Nachdem Dumbledore Harry im Krankenflügel besucht hatte, durfte er wieder zu Ron und Hermine.

Zum anderen entfällt das „ge“, wenn das Vollverb auf -ieren endet:

Ron hatte beim Schach brilliert, dann mussten die anderen ihn zurücklassen.
Harry und Malfoy hatten beide im selben Geschäft Umhänge anprobiert, bevor sie in Hogwarts erneut aufeinandertrafen.

Erste, zweite oder dritte Vergangenheit?

Das Besondere bei den deutschen Zeitformen ist, dass Du gleich drei grammatische Möglichkeiten hast, über etwas aus der Vergangenheit zu berichten. Neben dem Plusquamperfekt gibt es noch das Präteritum und das Perfekt. Doch wo liegen die Unterschiede?

Tabelle 1: Die drei Vergangenheitsformen im Vergleich

PräteritumPerfektPlusquamperfekt
Wofür?– über Vergangenes meist schriftlich berichten– über Vergangenes meist mündlich berichten– über Vergangenes, das vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert ist, berichten
Bildung– „-t“ und Personalendung an Wortstamm hängen (regelmäßige Verben)
– Wortstamm verändern (unregelmäßige Verben)
– Hilfsverb (sein/haben) im Präsens + meist „ge“ voranstellen oder einschieben und „-t“ oder „-en“ anhängen– Hilfsverb (sein/haben) im Präteritum + meist „ge“ voranstellen oder einschieben und „-t“ oder „-en“ anhängen
Beispieleich zauberte
Du flogst
sie hat gelernt
er ist geflohen
wir hatten gewonnen
ich war erstarrt 

Arbeitsblatt und Übungen zum Plusquamperfekt

Sooo kompliziert war das gar nicht, oder? Wie wäre es also jetzt mit einem coolen Arbeitsblatt, mit dem Du Dich selbst ein wenig auf die Probe stellen kannst? Du gewinnst so zwar keine Punkte bei der Hausmeisterschaft, aber bist im nächsten Deutsch-Test garantiert auf der sicheren Seite!

Das Plusquamperfekt ist die dritte Vergangenheitsform im Bunde und klingt viel schwieriger, als sie tatsächlich ist. Schließlich bildest Du sie auf beinahe dieselbe Weise wie das Perfekt, also musst Du Dir kaum etwas Neues einprägen. Stattdessen kannst Du Dich zum Beispiel auf das nächste Quidditch-Spiel vorbereiten, nicht wahr?

Literatur

Filonowa, M. W. (2015): Einige Aspekte der Bildung von Perfekt und Plusquamperfekt.

Engel, Ulrich (1979): Syntaktische Strukturen.

FAQs zum Plusquamperfekt

Was ist das Plusquamperfekt?

Dabei handelt es sich um die dritte Vergangenheitsform, die wir im Deutschen haben. Du kannst damit Ereignisse der Vergangenheit ausdrücken, die noch vor einem anderen zurückliegenden Ereignis passiert sind (vgl. Engel, 1979). Etwa so: „Harry hatte sich selbst ein Geburtstagslied gesungen, bevor Hagrid ihn abholte.“

Wie bilde ich das Plusquamperfekt?

Dafür benötigst Du ein Hilfsverb („haben“ oder „sein“) im Präteritum und das Partizip II Deines Vollverbs. In den folgenden Beispielsätzen findest Du beide Varianten: „Gryffindor hatte das Spiel für sich entschieden. Auf der Tribüne wurde davor ein Feuer gelegt.“ Solche Sätze kannst Du übrigens entweder im Aktiv oder Passiv formulieren, wie die Uni Heidelberg zeigt.

Wann benutze ich zweite und wann dritte Vergangenheit?

Das Perfekt kommt zum Einsatz, wenn Du über Dinge der näheren Vergangenheit sprechen willst. Mit dem Plusquamperfekt drückst Du hingegen aus, dass ein Ereignis in der Vergangenheit noch vor einem anderen vergangenen Ereignis passiert ist. Ein weiterer interessanter Unterschied ist übrigens, dass Du mit der zweiten Vergangenheitsform eher kommunizierst, also Dinge mündlich mit anderen besprichst. Dahingegen werden die dritte Vergangenheit wie auch das Präteritum vorrangig für Erzählungen verwendet, wie die Uni Duisburg Essen festgestellt hat.

Was ist das Plusquamperfekt von „kommen“?

Da „kommen“ eine Bewegung darstellt, sieht das Präteritumperfekt in allen Personalformen folgendermaßen aus: ich war gekommen, Du warst gekommen, er/sie/es waren gekommen, wir waren gekommen, Ihr wart gekommen, sie waren gekommen.

Wann benutzt man „habe“ und wann „hatte“?

Das Wort „habe“ kannst Du im Präsens („Ich habe Zauberverbot.“) und im Perfekt („Ich habe trotzdem gezaubert.“) nutzen. „Hatte“ ist das Präteritum von „haben“ und wird dementsprechend in der einfachen Vergangenheit („Ich hatte kein schlechtes Gewissen.“), aber auch in der vollendeten Vergangenheit („Ich hatte mich deswegen mit meiner Mutter gestritten, bevor die Ermahnung vom Zaubereiministerium kam.“) eingesetzt.

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