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Lesen lernen – 7 Tipps & Anleitung

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Lesen lernen – Tipps

Lesen lernen ist ein Meilenstein in der Entwicklung jedes Kindes. Alle unsere sprachlichen Aussagen werden, sowohl mündlich als auch schriftlich, durch die 26 Buchstaben unseres Alphabets dargestellt. Kinder, die das Lesen lernen, stehen nun allerdings vor der Herausforderung, diese Verschlüsselung zu decodieren. Mit etwas Unterstützung machen sie dabei schnell die ersten Fortschritte. Deutsch Nachhilfe sowie Frühkindliche Bildung stellt in diesem Zusammenhang eine individualisierte Hilfestellung dar.

Wie Kinder lesen lernen können?

Hinter dem Lesen lernen verbirgt sich ein komplexer Vorgang, der schon weit vor dem Eintritt in die Grundschule beginnt. Zunächst müssen Kinder begreifen, dass sich hinter den einzelnen Buchstaben viel mehr als nur ein Bild verbirgt. Dieses Bewusstsein entwickelt sich dabei auf vielen verschiedenen Stufen und wird vor allem durch Sprachförderung begünstigt. Für Eltern gibt es viele Möglichkeiten, die Kinder von Beginn an dabei zu begleiten und zu unterstützen. Bereits in der Kita, spätestens in der Vorschule sollte mit einer intensiven Leseförderung begonnen werden.

Schriftspracherwerbs durch Lesen lernen

In einem ersten Schritt müssen Kinder verstehen lernen, dass Buchstaben keine inhaltsleeren Bilder darstellen, sondern stellvertretend für eine Aussage stehen. Erst wenn dieses Verständnis vorhanden ist, sind Kinder in der Lage, Lesen zu lernen. Wie beim Rechnen eignen sich Kinder mitunter schon vor der eigentlichen Grundschulzeit Vorläuferfertigkeiten an, die sie später zum Lesen lernen brauchen (vgl. Oerter, 2008). 

Gewusst?

Die phonologische Bewusstheit stellt die wichtigste Fähigkeit dar, die überdies zum Lesen lernen unbedingt notwendig ist. Unter der phonologischen Bewusstheit versteht man das Wissen darüber, dass unsere Sprache aus verschiedenen Einheiten besteht. Dazu zählen demnach nicht nur Wörter, sondern auch kleinere Einheiten wie Silben und Laute.

Das Stufenmodell beim Lesen

Den konkreten Ablauf des Schriftspracherwerbs verbildlichen folglich einige wissenschaftliche Modelle. Zu den populärsten Modellen zählt dabei das Drei-Stufen-Modell der deutschen Wissenschaftlerin Uta Frith. Diese Prozesse können im Übrigen im Homeschooling gefestigt werden.

Stufenmodell Lesen Lernen
Abb. 1: Lesen lernen in Anlehnung an das Stufenmodell
  1. Stufe: Auf der ersten Stufe verfügen Kinder allerdings noch nicht über ein tieferes Verständnis der Laut-Buchstaben-Beziehung. Trotzdem sind sie aber in der Lage, bestimmte Wörter anhand charakteristischer Merkmale zu erkennen. Beispielsweise können Kinder relativ schnell und eindeutig Schriftzüge von bestimmten Marken erkennen. Daher wird diese Stufe auch logographische Stufe genannt.
  2. Stufe: Die Kinder stellen auf der zweiten Stufe erste Beziehungen zwischen Laut und Buchstaben her. Durch das Erlangen dieser Fähigkeit können sie infolgedessen auf der alphabetischen Stufe erste Wörter lesen.
  3. Stufe: Anschließend sind die Kinder auf der orthographischen Stufe allmählich in der Lage, größere Einheiten der geschriebenen Sprache zu identifizieren. Die Lesepräzision und -geschwindigkeit nimmt immer weiter zu.

Das Stufenmodell von Frith sowie viele andere dieser Art geben einen guten Überblick darüber, wie Kinder den Umgang mit unserer Sprache erlernen. Die einzelnen Stufen vermitteln den Eindruck, dass der Weg zum Lesen geradlinig und in einer bestimmten Reihenfolge verläuft. Vielmehr gehen die Übergänge jedoch fließend ineinander über. Selbstverständlich hat dabei jedes Kind sein ganz individuelles Tempo (vgl. Oerter, 2008).

Lautlehre – Laute erkennen und unterscheiden

Bei kleineren Kindern ist es daher am besten, mit den Anlauten eines Wortes zu beginnen. Hierzu können beispielsweise zwei bis drei Gegenstände auf den Tisch gelegt werden, die sich demzufolge deutlich in ihrem Anlaut voneinander unterscheiden.

Zum Beispiel: Ein Löffel, eine Murmel und ein Knopf werden vor das Kind auf den Tisch gelegt. Anschließend können die Eltern etwas sagen wie: „Ich suche etwas, das mit einem ‚L‘ beginnt“. Die Kinder haben den Dreh dabei schnell heraus und wählen dabei schließlich begeistert das richtige Objekt aus. Je sicherer das Kind wird, desto mehr Gegenstände können hinzugenommen werden. Dinge, deren Anlaut zu ähnlich klingt, sollten zu Beginn jedoch vermieden werden.

Einige Lernspiel-Apps vermitteln zudem die Unterscheidung von Lauten und deren Position im Wort auf spielerische Weise und sorgen für abwechslungsreichen Lernspaß.

Lesen lernen durch Differenzieren von Wortbestandteilen

Beim Lesen lernen ist es besonders wichtig, dass Kinder einzelne Wortbestandteile ausmachen können, anhand derer sie durch Zusammensetzung dann einzelne Wörter erkennen. Wenn sie sich im Silbengebrauch bzw. der Unterteilung von Wörtern in Silben sicher fühlen, wird ihnen das Lesen deutlich leichter fallen. Sie können leichter neue Wörter erkennen und auch der Lesefluss wird dadurch optimiert.

Silben lesen lernen

Dass Wörter aus einzelnen Silben bestehen, lernen Kinder am besten durch Klatschen. Für jede einzelne Silbe wird dabei einmal in die Hände geklatscht. Die meisten Kindern verinnerlichen das Prinzip schnell. Das Silben klatschen kann demzufolge selbstverständlich auch abgewandelt werden. Entweder können die Kinder für jede Silbe einen Schritt gehen oder hüpfen. Auch hier heißt es, der Fantasie sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Vorsicht ist in der Hinsicht geboten, dass die Aktivität rund um die Silbenzerlegung nicht mehr kognitiven Kapazitäten bindet, als die Zerlegung selbst.

Das Silben lesen ist hingegen gar nicht so leicht. Wir sehen in erster Linie Buchstaben vor uns, die dann zu Silben kombiniert werden. Doch woher weiß das Kind, welche Buchstaben zu Silben zusammengezogen werden? Eine Methode ist demzufolge die farbige Kennzeichnung der Buchstaben, die zu einer Silbe zusammengehören. Im Handel gibt es zum Beispiel eine große Auswahl an Erstleserbücher, die die Silbenmethode verwenden.

Silbenübung Lesen lernen
Abb. 2: Silbenübung hilft beim Lesen lernen

Wie kann ich mit meinem Kind Lesen lernen?

In der Regel geschieht das ganz nebenbei. Die meisten Eltern singen infolgedessen schon ihren Babys etwas vor oder beginnen bereits recht früh mit dem Vorlesen. Auf der anderen Seite fungieren dabei die Eltern als Vorbildfunktion. Wenn die Kinder sehen, wie die Eltern selbst aktiv lesen oder eine Vielzahl an Büchern im Haus vorhanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Kinder von sich aus mit Freude Lesen lernen wollen.

Worauf kommt es beim Lesen wirklich an?

Eines ist hierbei besonders wichtig, damit Kinder das Lesen lernen. Spaß ist dabei absolut unverzichtbar. Lesen lernen geht viel leichter, wenn die Kinder freiwillig bei der Sache sind. Wird schon früh Druck aufgebaut, verlieren Kinder folglich schnell die angeborene Neugier und bauen eine negative Verbindung zum Lesen lernen auf. Haben die Eltern jedoch selbst Freude am Umgang mit Büchern und Geschichten, dann tauchen die Kinder genauso gerne in die spannende Bücherwelt ein. Als Credo gilt also: Druck raus, Spaß rein! 

Strategien zur Lese-Unterstützung

Kinder können beim Lesen lernen darüber hinaus schon im Kindergartenalter spielerisch unterstützt werden. Instinktiv greifen viele Eltern bei der Kinderbetreuung bereits auf die richtigen Strategien zurück, indem sie mit ihren Kindern viel singen oder ihnen vorlesen. Generell gilt, zu viel gibt es nicht. Es gibt aber auch angeleitete Programme, wie beispielsweise das Elterntraining „Lass uns lesen!“ von der Universität München. Über 16 Wochen werden die Eltern dabei angeleitet, mit ihren Kindern verschiedene Aktivitäten, in der Regel 4-5 pro Woche, durchzuführen. Zu diesen Aktivitäten zählen beispielsweise Übungen zur phonologischen Bewusstheit, Reime und Spiele. Ergänzend werden den Eltern zudem an vier Elternabenden die theoretischen Grundlagen des Schriftspracherwerbs mit an die Hand gegeben (vgl. Rückert et al., 2010).

Übungen zum Lesen lernen

Es gibt mitunter viele verschiedene Möglichkeiten, mit Kindern das Lesen zu üben. Dies kann man beispielsweise gut Zuhause machen, im Alltag nebenbei oder mit verschiedenen Spielen. Auch in der Kita sowie in der Grundschule kommen die verschiedensten Arten der Leseförderung demnach zur Anwendung. Einen kleinen Überblick gibt es im Folgenden:

Lesen lernen mit Reimspielen

Reimspiele bieten folglich den Vorteil, dass sie den Kindern helfen, die Struktur von Wörtern besser zu verstehen, und sie sorgen dabei auch noch für gute Laune. Kinder finden und erfinden zudem gerne Reimpaare. Dabei muss es sich nicht immer um tatsächliche Worte handeln, Fantasiewörter sind zum Beispiel durchaus erlaubt. Zunächst können Eltern und Kind dabei auch mit ganz einfachen Worten beginnen. Aber was reimt sich auf Haus? Je sicherer die Kinder sind, desto schwere können die Reimpaare gestaltet werden. Auch hier ist empfehlenswert, dabei nahe an der Lebensumgebung der Kinder zu bleiben.

Gemeinsames Vorlesen

In der großen Vorlese-Studie der Stiftung Lesen von 2018 wurde schließlich nachgewiesen, wie groß der Einfluss des Vorlesens auf die spätere Lesefähigkeit von Kindern ist. Im Fazit der Studie heißt es unter anderem, dass „bereits 15 Minuten am Tag genügen“, um den Kindern einen Vorteil beim späteren Lesen lernen zu verschaffen.

Ein weiterer Pluspunkt des gemeinsamen Vorlesens liegt darüber hinaus in der Zeit, die Eltern und Kind hier miteinander verbringen. Wie wichtig es ist, dass Kinder schon früh beim Lesen lernen unterstützt werden, zeigt die LEO Studie 2018 der Universität Hamburg. Die Untersuchung der Universität Hamburg belegt, dass in Deutschland knapp 6,2 Millionen Menschen Probleme beim Lesen haben. Gemeinsames Vorlesen kann im Rahmen einer Hausaufgabenbetreuung praktiziert werden.

Abwechselndes Vorlesen

Für Eltern von Leseanfängern gibt es spezielle Bücher. Diese sind in verschiedene Abschnitte unterteilt, die entweder von den Eltern oder vom Kind gelesen werden. Die Bücher können ganz leicht an dem Zusatz „erst ich ein Stück, dann du“ erkannt werden. Durch das abwechselnde Lesen ist es ihnen daher möglich, gemeinsam mit ihren Eltern bereits längere Geschichten am Stück zu lesen, ohne zwischendrin überfordert zu werden.

Gezielte Programme zur Leseförderung

In vielen Kindergärten werden vor allem mit den Vorschulkindern Programme zur Förderung der phonologischen Bewusstheit durchgeführt. Mit eines der bekanntesten ist das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“, das unter anderem am Psychologischen Institut der Universität Würzburg entwickelt wurde. Das Programm vermittelt den Kindern demzufolge in verschiedenen Übungseinheiten mit Hilfe von spannenden Spielen die Struktur unserer Sprache.

Viele Grundschulen, wie zum Beispiel die Grundschule an der Wuhlheide in Berlin, arbeiten mit dem Programm „Antolin“. Die Kinder erhalten die Zugangsdaten zur Plattform von ihrer Lehrkraft. In einer Datenbank sind über 70.000 Kinder- und Jugendbücher hinterlegt. Hat das Kind ein Buch zu Ende gelesen, kann es den Titel in Antolin eingeben.

Anschließend startet ein Quiz, das Fragen über das Buch beinhaltet. Die Kinder können so testen, ob sie die Geschichte verstanden haben. Für jede richtig beantwortete Quizfrage bekommt das Kind folglich Punkte auf einem Konto gutgeschrieben. So wird die Motivation der Kinder infolgedessen gezielt gefördert und aufrechterhalten. Bundesweit unterstützen beispielsweise Büchereien das Programm. Zu erkennen sind die Bücher, für die ein Quiz auf Antolin hinterlegt sind, meist an einem entsprechenden Aufkleber. Zu Beginn brauchen die Kinder dabei, vor allem im Umgang mit Antolin, etwas Unterstützung der Eltern.

Zusammenfassung der Möglichkeiten zum Lesen lernen

Die Methoden zum Lesen lernen sind folglich zahlreich und für jeden Geschmack findet sich etwas. Hier noch einmal eine Übersicht über alle genannten Möglichkeiten zum Lesen lernen und üben:

Tabelle 1: Verschiedene Übungen zum Lesen lernen und ihre Vorteile

Strategie Das brauche ich Was bringt das? Zusätzliche Vorteile
Reimspiele Fantasie Gefühl für Silben und Wortstruktur Gute Laune und Förderung von Kreativität
Silbenklatschen Mund und Hände Erkennen von Silben- und Wortstruktur Das Klatschen wirkt zusätzlich anregend und die Kinder „begreifen“ die Wörter
Gemeinsames Vorlesen und abwechselndes Vorlesen Ein Buch, das sich am besten das Kind aussucht Sicherheit beim Lesen durch Übung; Verständnis des Inhaltes Qualitätszeit miteinander
Antolin Buch, Computer und zu Beginn die Hilfe der Eltern Lesen lernen wird durch Quizfragen noch spannender (Hauptaugenmerk auf Inhalt)Medienkompetenz, da zusätzlich der Umgang mit dem PC oder der App trainiert wird 

Wie bei allen neuen Fähigkeiten ist es wichtig, dass die Kinder vor allem Spaß daran haben. Druck hat bei der Leseförderung nichts verloren und würde sich nur kontraproduktiv auswirken. Kinder legen bereits im Kindergartenalter die ersten Grundsteine für das spätere Lesen lernen. Eltern können sie dabei spielerisch unterstützen. Doch auch in der Grundschulzeit, wenn die Kinder gezielt das Lesen üben, ist eine Begleitung durch die Eltern wertvoll.

Literatur

Frith, Uta (1986): Psychologische Aspekte des orthographischen Wissens. Entwicklung und Entwicklungsstörungen, in: Gerhard Augst (Hrsg.), New trends in graphemics and orthography, Berlin.

Oerter, Rolf (2008): Kindheit, in: Rolf Oerter/Leo Montada (Hrsg.), Entwicklungspsychologie, Weinheim.

Rückert, Ellen / Kunze, Sarah / Schillert, Melanie / Schulte-Körne, Gerd (2010): Prävention von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten. Effekte eines Eltern-Kind-Programms zur Vorbereitung auf den Schriftsprachenerwerb. Kindheit und Entwicklung, Online-Publikation.

FAQs zum Lesenlernen

Wie beginne ich bei meinem Kind mit dem Lesen lernen?

Zunächst einmal sollte das Kind die Laute kennenlernen. Der spielerische Gebrauch einer Anlauttabelle eignet sich hierfür hervorragend.

Wann sollte ein Kind mit dem Lesen lernen beginnen?

Mit dem Lesenlernen bis Schulbeginn zu warten, ist nun nicht mehr zeitgemäß. Experten raten, Kinder im Alter von 4 Jahren an das Lesen heranzuführen.

Hilft Vorlesen dabei, die Lesekompetenzen meines Kindes auszubauen?

Ja, wenn aus Vorlesen abwechselndes Vorlesen wird, fällt es dem Kind mit der Zeit immer leichter, aus Lauten Wort- und Satzeinheiten zu bilden.

Wann sollte ein Kind imstande sein, flüssig zu lesen?

Einfache Texte sollten Kind zum Ende der 2. Klasse relativ flüssig lesen können.

Sollte mein Kind bereits vor der Schule lesen lernen?

Das Kind sollte definitiv vor Schulbeginn mit dem Lesen lernen beginnen. Denn durch das Lesen lernen erweitert sich der Kompetenzbereich eines Kindes enorm.

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