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Kinetischer Sand: Zaubersand DIY in 3 Schritten

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Kinetischer Sand: Anleitung

Kinetischer Sand, oder auch Kinetic Sand, ist eines der Experimente für Kinder, die wenig Aufwand erfordern. Dieser lässt sich nämlich mit einfachen Zutaten aus der eigenen Küche herstellen. Mit etwas Einsatz kannst Du also Dein eigenes Zuhause in eine Versuchszone verwandeln und Dich gleichzeitig wie am Strand fühlen. Simple Experimente reichen übrigens bereits, um das Wissenschaftsverständnis zu schulen.

Was ist eigentlich kinetischer Sand?

Kinetischer Sand ist ein Knetsand, der sich in seiner Zusammensetzung und Konsistenz von normalem Sand am Strand unterscheidet und bereits für die Vorschule geeignet ist. Damit Du Deinen kreativen Zaubersand selbst herstellen kannst, brauchst Du lediglich Mehl und Öl. Außerdem zeigen wir Dir, wie Du Farbe mit ins Spiel bringen kannst. Anders als bei herkömmlichem Sand brauchst Du hierzu kein Wasser. Das ist praktisch, denn nicht immer sind Experimente mit Wasser möglich. Trotzdem krümelt er nicht so stark und lässt sich leichter formen. Da er nicht so schnell austrocknet wie eine normale Mischung aus Wasser und Sand, bleibt unser Sand auch viel länger in Form. Außerdem klebt er nicht an den Händen und hinterlässt keine fiesen Flecken auf der Kleidung. Deswegen ist dieser Sand sogar ideal für die Ferienbetreuung.

Aber genau wie in der Kinderuni kannst Du auch bei diesem Experiment viel lernen. Denn was bedeutet eigentlich kinetisch? Das Wort Kinetik kommt aus der griechischen Sprache und bedeutet übersetzt „Bewegung“. Unser Sand ist kinetisch, weil er sich immer wieder neu formen lässt, also in Bewegung bleibt. Man bezeichnet daher mit Kinetik sowohl die Geschwindigkeit von chemischen Prozessen wie auch die Bewegung von Körpern. So zum Beispiel beim Magnus-Effekt, der beschreibt, wie ein sich drehender Ball in der Luft eine Kurve schlagen kann. Beim Fußball nennt man das übrigens Bananenflanke. Wie Du sehen kannst, hält die Physik für Kinder einige Überraschungen bereit.

Ein Verständnis für solche Vorgänge ist nämlich ein wichtiger Bestandteil unseres modernen Lebens, findet die Universität Bremen. Kein Wunder also, dass das Experiment als Methode zur Wissensgewinnung von den klassischen Naturwissenschaften entwickelt wurde (vgl. Rieß et al. 2012). Auf diese Weise lernst Du lebensnah. So kann selbst Astronomie für Kinder spannend vermittelt werden.

Das passiert bei einem Experiment mit Kinetic Sand

Bei diesem Experiment mit Kinetic Sand lernst Du, auf welche Weise sich verschiedene Stoffe miteinander verbinden können. Denn auch wenn der Zaubersand kein Wasser benötigt, klebt er aus denselben Gründen aneinander wie der Sand am Strand. Wasser besteht aus vielen winzigen Teilchen, die wir mit dem bloßen Auge gar nicht erkennen können. Sie heißen Atome und schließen sich wie gute Freunde zu ebenso kleinen Brücken zusammen. Diese Brücken nennen wir in der Chemie Moleküle. Und diese Brücken tun genau das, was man sich unter einer Brücke vorzustellen hat: Sie verbinden. Ein Wasserstoffmolekül setzt sich also zwischen die kleinen Sandkörner und verbindet sie miteinander. Ganz schön spannend, was man in den Naturwissenschaften alles lernen kann, oder etwa nicht?

Unser selbst gemachter Sand setzt sich allerdings noch einmal anders zusammen. Hier wird Öl statt Wasser benutzt und statt normalem Sand vom Strand nehmen wir Mehl. An die Stelle der kräftigen Wasserstoffmoleküle treten jetzt die sogenannten Polymere. Polymere kannst Du Dir wie eine gekochte lange Nudel vorstellen. An dieser Nudel kann einiges kleben bleiben, aber dennoch kann sie sich gut bewegen. Das Öl klebt sich also an das Mehl wie eine Nudel und hält dabei alles fest zusammen. Kneten wir allerdings die Mischung aus Mehl und Öl, lockern wir die Verbindung der Polymere und der Sand kann sich wieder besser bewegen.

Nun machen wir noch einen kleinen Ausflug in die Biologie, damit Du auch verstehst, warum unser Sand nicht so schnell austrocknet wie die Sand-Wasser-Mischung im Urlaub. Für unseren Zaubersand benutzen wir herkömmliches Speiseöl. Speiseöle werden auch Pflanzenöle genannt und aus sogenannten Ölpflanzen gewonnen. Dazu gehören beispielsweise Sonnenblumenöl und auch Olivenöl. Speiseöle bestehen zu einem großen Anteil aus ungesättigten Fettsäuren. Diese ungesättigten Fettsäuren sorgen dafür, dass das Öl bei Temperaturen um die 20 Grad Celsius schön flüssig bleibt und nicht einfach vertrocknet.

So leicht kann man Zaubersand selber machen

Das Schöne an dem Experiment mit Kinetic Sand ist, dass Du für die eigene Sandburg kein gutes Wetter brauchst. Draußen kann es in Strömen regnen, aber bei Dir zuhause machen wir nun Platz für Dein persönliches Stranderlebnis. Auf den Forscherspaß mit Sand, musst Du also auch nicht verzichten, wenn Du die Ferien 2021 zuhause verbringst.

Schon gewusst?

Es gibt sogar professionelle Sandkünstler. Diese nennen sich Carver, benutzen allerdings für ihre imposanten Skulpturen keinen herkömmlichen Sand vom Strand. Die Sandkörner am Strand sind nämlich vom Meerwasser so rund gewaschen wie kleine Murmeln und eignen sich daher nicht für größere und stabilere Bauten. Häufig lassen sich Carver deswegen große Mengen Sand direkt aus Sandgruben liefern.

Diese Materialien benötigst Du

  • 960 Gramm Mehl (circa 40 Cent)
  • 120 ml Speise- oder Babyöl (circa 1 Euro)
  • Flüssige Lebensmittelfarbe nach Bedarf (ab 2,50 Euro)

Zuerst den Arbeitsplatz vorbereiten

Bevor Du starten kannst, musst Du als erstes Deinen Arbeitsplatz für den Kinetic Sand vorbereiten. Nutze dafür am besten den Küchentisch oder aber eine andere feste Unterlage wie zum Beispiel ein Tablett. Sorge dafür, dass die Unterlage frei von Schmutz und Staub ist, damit in Deinen Bauwerken keine Frühstücksreste landen. Vergiss auch nicht Dir selbst vorher noch einmal gründlich die Hände zu waschen, damit Dein Sand frei von Krümeln bleibt. Stelle Dir anschließend die nötigen Zutaten bereit, wiege sie ab und lies Dir die folgenden Schritte einmal ganz genau in Ruhe durch. Wenn Du das getan hast, steht Deinem Experiment mit dem Zaubersand nichts mehr im Weg.

Kinetischer Sand: Die Zutaten
Abb. 1: Kinetischer Sand besteht aus wenigen Zutaten

In 3 Schritten kinetischen Sand herstellen

Hast Du alles vorbereitet? Super! Dann kannst Du jetzt loslegen. Wenn Du die drei Schritte wie in der Anleitung umsetzt, kannst Du schon bald mit deinem kreativen Zaubersand spielen. Wir wünschen Dir viel Spaß beim Experimentieren!

1. Mehl und Öl vermengen

Vermenge die angegebene Menge von 960 Gramm Mehl mit 120 Millilitern Öl, bis eine knetbare Masse entsteht. Sollte Dir Dein Sand noch zu fest vorkommen, dann kannst Du nach Bedarf noch etwas Öl hinzufügen. Sei aber trotzdem sparsam mit den Materialien.

Kinetic Sand: Mehl und Öl vermengen
Abb. 2: Mehl und Öl bilden die Grundlage für Kinetic Sand

2.Flüssige Lebensmittelfarbe hinzufügen

Füge nun flüssige Lebensmittelfarbe hinzu und vermenge sie mit dem Mehl-Öl-Gemisch. Je weniger Farbe Du nimmst, desto heller wird der Zaubersand. Sei also sparsam mit der Lebensmittelfarbe, damit Dein Sand nicht gleich zu dunkel wird. Füge lieber anschließend mehr hinzu, wenn er Dir noch zu hell ist.

Lebensmittelfarbe hinzufügen
Abb. 3: Die Lebensmittelfarbe hinzufügen und alles vermengen

3. Bauen und erforschen

Nun ist Dein kinetischer Sand fertig und sieht fast ein wenig aus wie bunter Kuchenteig. Jetzt kannst Du nach Lust und Laune Sandburgen bauen und dabei die kinetischen Eigenschaften Deines eigenen Sandes erforschen.

Zaubersand: Endergebnis
Abb. 4: Jetzt darf mit dem Zaubersand gespielt werden

Lustige Ideen zum Spielen mit Zaubersand

Aber was kannst Du mit dem Kinetic Sand jetzt alles machen? Zunächst kannst Du überlegen, ob Dir die Farbtöne der Lebensmittelfarbe ausreichen. Aus den Grundfarben Rot, Blau und Gelb kannst Du nämlich auch Mischfarben herstellen. Einer grünen Schlange oder einem lila Haus aus Sand steht damit nichts mehr im Weg. Welche Grundfarben welche Mischfarben ergeben, kannst Du weiter unten der Tabelle entnehmen. Wenn Du es ganz fantastisch haben möchtest, kannst Du Deinem Sand auch einfach ein wenig Bastelglitzer beifügen und schon funkelt er wie ein Sternenhimmel. Fest steht jedenfalls, dass man mit spielerischen Experimenten gar nicht früh genug anfangen kann (vgl. Schmitt, Schentesius, Sterdt, 2016).

Tabelle 1: Anleitung zum Mischen von Farben

Grundfarbe 1Grundfarbe 2Mischfarbe 
Rot Blau Lila
Rot Gelb Orange
Blau Gelb Grün

Da sich kinetischer Sand wunderbar in Form bringen lässt, musst Du Dich auch nicht nur auf die bekannte Sandburg beschränken. Wie wäre es mit einem Sandkuchen oder gleich einer ganzen Torte in Regenbogenfarben? Mit Ausstechformen könntest Du Dir auch Deine eigenen bunten Sandkekse basteln und sie anschließend mit Glitzer bestreuen. Aber Vorsicht: Die bunten Backwaren solltest Du lieber nicht unbeaufsichtigt in der Küche stehen lassen. Sonst könnte noch jemand denken, dass sie wirklich zum Essen sind.

Richtig gut eignet sich kinetischer Sand auch, um ganze Landschaften nachzubilden. Wie wäre es mit einer hügeligen Wüste, durch die vielleicht die Dinosaurier gewandert sind? Du könntest auch noch ein paar Urzeitkrebse züchten und ihnen mit dem Sand ein neues Zuhause bauen. Deinen Forschergeist haben wir bestimmt wecken können. Wenn Du übrigens noch Lebensmittelfarbe und Pflanzenöl übrighast, kannst Du auch darüber nachdenken, ob Du nicht eine Lavalampe selber machen möchtest.

Kinetischer Sand – Übungsblatt

Wie Du gesehen hast, kann man mit dem Zaubersand viel Spaß haben und ihn ganz individuell gestalten. Außerdem erfährst Du etwas über die Naturwissenschaften, wenn Du kinetischen Sand selber machst. Hast Du Dir alles behalten, was wir gelernt haben? Prüfe Dein Wissen mit dem Übungsblatt. Wenn Du wissen willst, ob Du alles richtig hast, dann schau Dir das Lösungsblatt an.

Ein Experiment mit Kinetic Sand regt nicht nur zur Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt an (vgl. Fthenakis et al. 2009), sondern lässt sich auch leicht in einer Pause vom Homeschooling vorbereiten. Dafür ist auch gar nicht viel Platz nötig. Wenn Du jetzt Lust auf mehr hast, könntest Du den einfachen Eiertest ausprobieren. Vielleicht bist Du nun aber schon bereit für ein größeres Experiment. Wie wäre es mit eigener Elefantenzahnpasta?

Literatur

Fthenakis, Wassilios E. (2009): Frühe naturwissenschaftliche Bildung, 1. Auflage Troisdorf. 

Rieß, Werner et. al. (2012): Experimentieren im mathematisch-naturwissenschaftlichen Umfeld, 1. Auflage Münster.

Schmitt, Annette; Schwentesius, Anja; Sterdt, Elena (2016): Neue Wege für frühe Bildung und Förderung im Forschungsfeld Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Schüler lernen wissenschaftlich denken und arbeiten, 1. Auflage Baltmannsweiler.

FAQs – Kinetischer Sand

Wie lange hält sich kinetischer Sand?

Wenn Du den Kinetic Sand bei Raumtemperatur lagerst, kann er sich problemlos einige Wochen halten.

Ist Kinetic Sand giftig?

Zaubersand, der nach dieser Anleitung mit Speiseöl hergestellt wurde, ist nicht giftig. Dieser ist auch für Kids unter drei Jahren geeignet. Allerdings ist der Sand in erster Linie natürlich ein Bastelmaterial und nicht zum Verzehr gedacht.

Ist es egal, ob ich Babyöl oder Speiseöl für den Zaubersand nutze?

Die Wahl des Öls macht für den kinetischen Sand keinen Unterschied. Für einige ist der Geruch von Babyöl angenehmer. Allerdings ist der Sand je nach Wahl des Babyöls dann nicht mehr völlig unbedenklich und zudem auch etwas teurer.

Woran erkenne ich, ob der kinetische Sand noch gut ist?

Wenn Du Speiseöl für die Herstellung des Sands benutzt hast, fängt der Sand je nach Lagerung nach einigen Tagen bis Wochen an unangenehm zu riechen. Daran lässt sich sicher erkennen, ob er noch benutzt werden sollte.

Ist jedes Mehl für die Herstellung von Zaubersand geeignet?

Ja, ihr könnt natürlich auch Dinkel- oder Vollkornmehl nehmen. Wenn Du den Sand allerdings mit Lebensmittelfarbe einfärben möchtest, funktioniert das mit weißem Weizenmehl am besten.

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